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Rezensionen

• "Der Stammbaum des Yoga kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Buch vermittelt ein umfassendes Bild von Yoga heute und führt methodisch zu dessen Wurzeln. Es ist für alle ernsthaft an Yoga interessierte Menschen eine inspirierende Quelle in einer Zeit, in der Yoga sich ungemein schnell auf der westlichen Erdhalbkugel verbreitet und immer mehr Menschen nach tiefgründiger Lektüre suchen."
R. Sriram

• "Mathias Tietke beginnt bei den modernen "Blüten" des Yoga-Baumes, wie sie uns fast täglich in den Medien und in der Werbung begegnen, und führt uns dann Schritt für Schritt zurück zu den „Wurzeln“ des Yoga im prähistorischen Indien. Auf diese Weise kommt – endlich – der ganze "Yoga-Baum" in den Blick."
Dr. Christian Fuchs

• Um es gleich vorweg zu sagen, dieses ist ein notwendiges Buch, in dem wie selten zuvor, die umfassende Yoga-Tradition von den Anfängen bis in die Gegenwart hinein nachvollzogen wird. Der Journalist Mathias Tietke ist nun kein Sanskritforscher, aber eben auch Yoga-Praktizierender, so dass er mit seiner eigenen Biografie, die ihn oft genug in den indischen Raum brachte, ein Stück weit verifiziert, was er historisierend, aber in einem angenehmen flüssigen Sprachstil beschreibt.
Vollständige Rezension lesen: http://www.interrel.de/rz-yoga.htm

• Ungewohnt, aber höchst interessant, vollzieht Mathias Tietke in seiner Aufarbeitung der Geschichte des Yoga einen Perspektivenwechsel. Während im Allgemeinen geschichtliche Darstellungen mit den frühen Anfängen beginnen, um letztlich mit der Gegenwart zu enden, wendet der Autor das genau umgekehrt funktionierende Stammbaum-Prinzip an. Er arbeitet sich von der Gegenwart in die Vergangenheit zurück. Sein ‚Stammbaum des Yoga’ beginnt mit der Darstellung von zahlreichen Blättern und Blüten der gegenwärtigen Yoga-Bewegung, um von hier aus geschichtlich weiter nach unten, über den Stamm der großen klassischen Schulen und Traditionen, schließlich bei den Wurzeln der geschichtlichen Ursprünge des Yoga zu enden.

Die Geschichte des Yoga beginnt so mit dem uns vertrauten westlichen Yoga. Sorgfältig recherchiert erscheinen die verschiedenen Aspekte aufgearbeitet bis hin zum Onlineyoga per Livestream im Jahresabo oder den Yoga-Guerillas mit Yoga-Kursen auf Dächern öffentlicher Gebäude. Die Liste Yoga-Praktizierender Prominenter der Gegenwart mit Nachweisen und Belegen im Anhang ist beeindruckend. Umfangreich werden die Beziehungen von Yoga-Praxis und Tanz aufgearbeitet, besonders hilfreich das umfangreiche Bildmaterial. Im Vergleich hierzu erscheinen die neuen Entwicklungen des indischen Yoga der letzten Jahre nur wenig berücksichtigt. Mehr aus der Perspektive eines westlichen Yoga-Touristen, der hier und dort einmal einen Yoga-Kurs belegt hat, wird im Stil eines Reiseberichtes von einem Besuch der ‚Yogahochburg’ Rishikesh aus dem Jahre 1999 berichtet.

Die eigentliche Stärke des Buches liegt dann jedoch in den Darstellungen der großen Yogis des 20. Jahrhunderts, welche die Grundlagen für den heutigen Yoga legten. Nicht nach indischer oder westlicher Herkunft, sondern streng chronologisch nach dem Geburtsjahr geordnet, finden sich 30 yogische Kurzbiographien, jeweils versehen mit der Darstellung ihrer Lehren, beginnend mit Georg Feuerstein (geb. 1947) und endend mit Sri Aurobindo (geb. 1872). Hier ist es möglich, sich über die großen indischen Yogis Shivananda und Krishnamacharya oder über die Wegbereiter des europäischen Yoga wie André van Lysebeth, Roger Clerc oder Nil Hohoutoff zu informieren. Auch Darstellungen von eher unbekannteren Yoginis wie Indra Devi oder Sivananda Radha sind zu finden. Aber man lernt auch, wer eigentlich Bikram Choudhury ist oder wer Yogi Bhajan war. Das Kapitel erweist sich als eine wahre Fundgrube, als Lexikon und Nachschlagewerk, wiederum mit sehr interessantem Bildmaterial ausgestattet, bis auf wenige Ausnahmen auch in dem bekannt kritisch-lebendigen Schreibstil verfasst.

Nachdem so die Blüten, Zweige und Äste des Yoga-Baumes entfaltet sind, wird der Leser dann weiter nach unten zum Stamm geleitet, bestehend aus dem Hatha-Yoga, dem klassischen Yoga des Patañjali und dem Yoga der Upanishads. Auch hier ist keine trockene, historische Darstellung zu finden, sondern eine lebendig geschriebene Interpretation der klassischen Texte, immer bezogen auf den Kontext und Interpretationen des gegenwärtigen Denkens. Die Wurzeln des Yoga-Baumes werden dann allerdings nicht in den ältesten uns überlieferten Textzeugnissen des Yoga in den Upanishads des Veda, also ungefähr im 7. Jahrhundert v. Chr. gesehen, sondern in der Induskultur um 3000 v. Chr. Ausführlich sind hier neueste Ergebnisse der Archäologie zusammengetragen. Ergänzt ist die Darstellung durch umfassendes Bildmaterial zu den dort gefundenen Täfelchen und Skulpturen, deren Schriftzeichen allerdings noch nicht eindeutig entziffert sind. Auch ist die gegenwärtige, weniger von Sachargumenten, sondern stark von nationalpolitische Interessen bestimmte Diskussion über die Ursprünge des Yoga entweder in der Sanskrit-Kultur der brahmanischen Veden oder der weit stärker mit der Induskultur in Zusammenhang stehenden drawidischen Kultur dargestellt. Letztlich scheint jedoch nur aus Darstellungen von drei bis vier Reliefs und einigen kleinen Skulpturen die frühe Existenz nicht nur der erst viele tausend Jahre später entstandenen Yoga-¨sanas, sondern auch von Grundsätzen des Yoga des Patañjali bis hin zum Konzept der Kundalini des Hatha-Yoga abgeleitet. Die hier angewandte assoziative Methodik erscheint interessant. Weniger angebracht ist es jedoch, hier von einer ‚Tatsache’ einer fortgeschrittenen Yogapraxis der Induskultur zu sprechen oder davon, dass jeder, der ‚seinen Sinnen, seinem Verstand und empirischen Werten’ traue, solche Schlussfolgerungen zulassen müsse.

Letzteres mindert jedoch keinesfalls den Wert dieses großartigen Buches, dass nicht nur durch die lebendige Sprachführung, sondern auch mit seinen vielen Fotos den Stammbaum des Yoga anschaubar zur Darstellung zu bringen versteht. Wenn die beiden Krishanamacharya-Schüler B.K.S. Iyengar und Pattabhi Jois Arm in Arm zu sehen sind oder desgleichen auch Ken Wilber mit Harmon Hathaway, so wird Yoga-Geschichte lebendig und präsent. Das Buch kann jedem Yoga-Praktizierenden als Inspirationsquelle dienen, der seinen eigenen Standort ins Verhältnis zu der Vielfalt des Yoga der Gegenwart bringen will und sich darüber hinaus auch über die historischen Wurzeln seiner Praxis informieren möchte.

Dr. Eckard Wolz-Gottwald (Uni Münster) (Veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Deutsches Yoga-Forum" 3/2007)

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