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Kritik der Kritik an der Kritik

Kritik, so sie denn fundiert ist, setzt stets Kenntnis und eine intensive und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem zu kritisierenden Objekt voraus. Wer keine Ahnung hat und/oder keine Zeit aufwenden will, lobt, schmeichelt und ersetzt Argumente durch prädikative Adjektive und suggestive Superlative: „Grandios! Unglaublich schön! Wirklich sensationell! Eine der überragendsten Darstellungen! Und jetzt heißt es: Einfach nur glauben und schnell kaufen!“

Kritik, die sich auf Filme, Bücher und CDs oder auf Verhaltensweisen bezieht, ist in aller Regel ein Freundschaftsdienst. Sie ist vom Wesen her wohlwollend, weil es um mögliche Verbesserungen geht. Dies trifft zumindest dann zu, wenn die Gründe für die Kritik nachvollziehbar dargelegt werden. Von der oder dem Betroffenen wird das – leider - selten so wahrgenommen, da die Eitelkeit die Wahrnehmung massiv trübt und so kommen als Reaktion auf Kritik eher spontane Gefühle als rationale Gedanken zur Sprache.

Kritik, die veröffentlich wird, dient in erster Linie der Orientierung. Sie ist Hilfestellung (beziehungsweise sollte dies sein) für potentielle Käufer(innen) und Anwender(innen), also für jene, die dafür zahlen (sollen).

Kritik als Kommentar und Unterstützung für Verlage, Autor(inn)en, Künstler(innen) und Produzent(inn)en sollte stets zweitrangig sein, auch wenn gerade jene besonders (über)empfindlich auf kritische Äußerungen reagieren und dies umso mehr, wenn das Ego oder die Ich-Bezogenheit stark ausgeprägt ist.

Wer Kritik und Kritiker für ihre Kritik kritisiert, möge dies und den folgenden Satz des französischen Schriftstellers Vauvenargues (1715-1747) vorab bedenken: „Nur wenige Menschen sind bescheiden genug, um zu ertragen, dass man sie richtig einschätzt.“

© Mathias Tietke, 2006
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